Ach, wie bin ich wunderbar!

Lächelndes Kind steht vor Tafel mit Muskeln aus Kreide

„Nennen Sie mir doch mal drei Ihrer Stärken“ – Die Gretchenfrage des Vorstellungsgesprächs.

Um diese Frage zielführend beantworten zu können, bedarf es  der Selbstreflexion und auch einer ordentlichen Portion Kalkül. Denn was bringt es denn dem Arbeitgeber, dass man gut darin ist, Torten zu verzieren? Nennt nicht sowieso jeder Zweite „Pünktlichkeit“ als seine Stärke? Außerdem soll es auch nicht rüberkommen, als wäre man selbstverliebt und arrogant. – Bedenken, die uns unsicher machen.

Und das ausgerechnet bei dem Thema Stärken, also den Dingen, die wir gut können und die uns Sicherheit schenken.
Schuld an solchen Gedanken sind häufig klischeehafte Erziehungsparolen wie „Eigenlob stinkt“ oder „Bescheidenheit ist eine Zier“. Diese sind jedoch längst überholt.

Schon Wilhelm Busch korrigierte: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommste ohne ihr“ und spätestens die Management-Trainerin Sabine Asgodom stellte 1996 in ihrem Ratgeber zur Selbstvermarktung klar: „Eigenlob stimmt“.
Leider sind diese Ansichten noch nicht in unsere Gewohnheiten übergegangen. Aus Angst davor, überheblich zu wirken, stellen wir unser Können unter den Scheffel und weigern uns zu glänzen.

Dabei sollten wir genau dies tun! Jeder Mensch unterscheidet sich vom Nächsten durch seine individuellen Stärken. Sich dieser bewusst zu sein, ist keine Arroganz, sondern gerechtfertigter Stolz.

Zu einer unangenehmen Angewohnheit wird es erst dann, wenn wir unsere Mitmenschen erniedrigen und uns für etwas Besseres halten. Doch wer in der Lage ist, seine eigenen Stärken ebenso wie die anderer zu bewundern, der tritt selbstbewusst und glücklich auf. Denn es tut gut, sich die Zeit zu nehmen und auf das zu blicken, was man kann, welche Fähigkeiten man sich (vielleicht mühevoll) angeeignet hat und von welchen Charakterzügen man selbst, ebenso wie die eigenen Mitmenschen, profitieren kann.